97 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme und Virtual Reality aus 27 afrikanischen Ländern und neun diasporischen Ländern sowie 30 internationale Gäste, das bietet das Programm der 18. Ausgabe des Afrika Film Festivals, das FilmInitiativ Köln e.V. vom 16. bis 26. September im Filmforum im Museum Ludwig und anderen Locations veranstaltet. Die Patenschaft als Schirmfrau für das diesjährige Festival hat die Regisseurin Fatima Sissani übernommen, Dokumentarfilmerin aus Algerien, die in Marseille lebt und arbeitet. Sie war bereits als Programm-Beraterin beim Festival 2019 zu Gast und ihr Dokumentarfilm LES GRACIEUSES ist im zusätzlichen Online-Programm zu sehen.

Der Fokus des Festivals „Digitalisierung in afrikanischen Ländern“

präsentiert filmische Auseinandersetzungen zu diesem Thema. Die digitale Revolution hat die Filmindustrie auch in Afrika von Grund auf verändert und die Filmproduktion nicht nur einfacher, sondern auch kostengünstiger gemacht. Die erfreuliche Folge davon ist, dass in vielen Ländern Afrikas deutlich mehr qualitativ hochwertige Autror*innenfilme und Independent-Produktionen realisiert werden (können). Dazu gehören fiktive Dramen und analytische Dokumentationen über die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung. Das sind Filme aus Marokko, Tunesien, Ägypten, Algerien, Kenia und Südafrika. Auch das Kurzfilmprojekt „10 Views of Migration“ (initiiert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung) verdeutlicht, dass Handies für Migrant*innen überlebenswichtig sind. Die meisten dieser Filme werden von den Regisseur*innen persönlich in Köln zur Diskussion gestellt.

Cineastisches Erbe

Internationale Institutionen wie die von Martin Scorsese gegründete World Cinema Foundation, die Cineteca di Bologna und das Arsenal in Berlin haben von frühen Meisterwerken des afrikanischen Filmschaffens brillante restaurierte Fassungen erstellt. Zwei davon, MANDABI von Ousmane Sembene (Senegal 1968) und SARRAOUNIA von Med Hondo (Mauretanien 1986) sind im Festivalprogramm zu sehen.

Preisgekrönte Spielfilme von Tunesien bis Südafrika

Die international ausgezeichneten Filme, die das Kölner Programm präsentiert, geben Einblicke in das kreative Engagement, mit dem afrikanische Filmschaffende aktuelle Entwicklungen ihrer jeweiligen Gesellschaften – auch tabuisierte Themen – auf die Leinwand bringen. Als Beispiele seien genannt der Spielfilm ENTERRÉS von Francoise Ellong aus Kamerun. Ein Beleg, dass die Aufarbeitung von Kindesmißbrauch in kirchlichen Institutionen auch in Westafrika ansteht. Schauplatz des marokkanischen Spielfilms LES FEMMES DU PAVILLON J ist eine psychiatrische Anstalt, die einigen Frauen als Zufluchtsort dient, um familiären oder gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen.

Aktuelle Dokumentarfilme Mehrere aktuelle Dokumentationen zeigen Facetten der antikolonialen Bewegung und Einblicke in revolutionäre Epochen der afrikanischen Geschichte. Dazu gibt es den Film SUR LES TRACES DE FRANTZ FANON, eine Dokumentation auf den Spuren des wichtigsten Theoretikers der antikolonialen Bewegung in Algerien und Frankreich. Weitere Filme aus Niger, Trinidad, Äthiopien und Kenia dokumentieren diese Zeit. Gleich drei Filme thematisieren Probleme, die sich aus dem Zusammenleben mit Chinesen in afrikanischen Ländern ergeben (BUDDHA IN AFRIKA, DAYS OF CANNIBALISM und THE ORPHANAGE). Die gravierenden Folgen der Gier nach Rohstoffen dokumentiert PAS D’OR POUR KALSAKA von Michael Zongo aus Burkina Faso am Beispiel einer Goldmine. Bei einer Exkursion mit dem Filmemacher und weiteren Festivalgästen ins rheinische Braunkohlenrevier werden Gemeinsamkeiten im Kampf gegen den globalen Klimawandel zur Diskussion. Weitere Filme kommen aus Niger, Angola, Nigeria und Äthiopien

African Shorts Es gehört inzwischen zur Festival-Tradition, an den Wochenenden in den Spätvorstellungen neue Kurzfilme vorzustellen. Zwei Kurzfilmnächte sind aktuellen Produktionen aus der weltweiten Diaspora gewidmet. Dieses Programm wurde von Nancy Mac Granaky-Quaye (Filmemacherin aus Köln) und Abel Michael (Filmemacher aus Köln) kuratiert. Beide sind in der Black Lives Matter-Bewegung engagiert.

Schulvorstellungen und Workshops

Angeboten werden Schulvorführungen und Workshops zu aktuellen Themen wie Rassismus und Klimawandel.

Begleitprogramm

Live-Musik von Kokou Nangaan und Band eröffnet das Festival. Im Foyer des Filmforums werden Bücher und DVDs werden sowie afrikanische Fingerfood angeboten.

Nachspiele 2021 bundesweit

Das Afrika Film Festival Köln ist das größte seiner Art in Deutschland und wird mitgetragen von zahlreichen Initiativen und Institutionen, die mit FilmInitiativ Köln e.V. kooperieren. Ausgewählte Festivalfilme werden in Anwesenheit der Regisseur*innen in Bonn, Münster, Wuppertal, Boitzenburg, Nürnberg und Stuttgart nachgespielt.