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»Irgendwer hat mal gesagt: Wenn du nicht weißt, woher du kommst, kannst du auch nicht wissen, wohin du gehst. Auf nach Ghana. Ja, auf nach Afrika«

Gemeinsam mit ihrem Vater David, ihrer Schwester Diana und ihrem Freund Alex, reist Esther zum ersten Mal nach Ghana. Im Heimatland ihres Vaters will die Neunundzwanzigjährige ihrer Identitätskrise endlich ein Ende bereiten. Mit ihren krausen Haaren und der dunklen Haut wurde sie Zeit ihres Lebens in Deutschland auf ihre Andersartigkeit und die afrikanische Kultur angesprochen, zu der ihr jedoch fast jeglicher Bezug fehlte. Ihr Vater brachte seinen Töchtern seine Muttersprache Twi nie bei. Auch nahm er seine Kinder nie mit nach Ghana, stellte sie nie seiner Familie vor und sprach meist schlecht und mit Verbitterung über das westafrikanische Land, in dem seiner Meinung nach alles den Bach hinunterginge. Er selbst baut seit Jahren ein Haus in der Hauptstadt Accra und wollte seine Kinder erst dorthin mitnehmen, wenn es fertig ist. Der Hausbau stagniert jedoch jedes Mal, wenn David nicht selbst vor Ort ist, um die Bauarbeiter und Helfer anzuleiten.

Mit Ende zwanzig setzte Esther ihrem Vater ein Ultimatum.

Mit der Kultur meines Vaters verbindet mich kaum etwas. Ich spreche seine Sprache nicht und langsam aber sicher tut das richtig weh. Wie Zahnschmerzen nagt das Verlangen an mir, sein Geburtsland endlich zu besuchen. Ich glaube, ich brauche eine Wurzelbehandlung.
»Könnt ihr nicht noch bisschen warten?«, fragt mein Vater.
»Nein! Nimm uns endlich mit!«, rufen meine Schwester und ich.
»Ich will erst alles arrangieren«
»Das sagst du immer, als würden wir dir nichts bedeuten. Als wären wir dir egal«

Auf ihrer Identitätsreise stellt Esther allerdings schnell fest, dass sie auch in Ghana aus der groben Masse heraussticht. Die Ghanaer nennen sie „Obroni“ (Weiße) und glorifizieren Deutschland als gelobtes Land.

Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen in Ghana und das Erleben der vorherrschenden, kulturellen Unterschiede lassen Esther jedoch kritisch über ihr privilegiertes Leben in Deutschland und die führenden Lebensverhältnisse in den unterschiedlichen Gesellschaften reflektieren.  Esther lernt das deutsche Vorrecht der Reisefreiheit mehr zu schätzen denn je. Ihr wird bewusst, dass sie in Deutschland bisweilen in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft lebt. In Ghana hingegen erlebt sie Armut, Korruption und Umweltverschmutzung. Letztere wird größtenteils durch europäische Restmüllimporte verursacht.

Auf  der Schiebetür des Nachbarbusses steht: Behindertentransporter. Generell fahren hier jede Menge aus Deutschland importierte Wagen herum. Ausrangierte Schrottkarren von Schreinereibetrieben oder Metzgereien. Mit den Autos läuft es genauso ab wie mit den Hühnerfleischresten. Was in Deutschland nicht mehr durch den TÜV kommt, lässt sich in Afrika zu Geld machen, verpestet weiterhin die Luft und fährt noch jahrelang über die Schotterstraßen.

Höhepunkt der Reise stellt ein Aufenthalt in der Stadt Kumasi dar. Hier trifft Esther zum ersten Mal auf ihre ghanaische Familie und ihre Großmutter, zu der sie noch nie zuvor Kontakt hatte. Leider verläuft diese Begegnung nicht so wie erhofft. Esther kann sich nicht mit ihrer Oma unterhalten, da diese kaum Englisch spricht. Ihre neugewonnenen Cousinen und die Tante verlangen Geschenke von den Gästen aus Deutschland und Esther und Diana beginnen zu verstehen, warum ihr Vater sich jahrelang sträubte, seine Familie mit ihnen zu besuchen.

Ihrem Vater kommt Esther allerdings näher und spricht mit ihm über seine Kindheit in Kumasi und die Umstände, unter denen er aufwuchs.

Am Ende der Reise stellen sowohl Esther als auch ihre Schwester Diana fest, dass in ihrer Brust zwei Herzen schlagen und sie immer zwischen den Kulturen stehen werden. Trotzdem sind sie sehr dankbar für die Reise und merken, dass es im Grunde unwichtig ist, woher man kommt und wie man aussieht.

»Wir sind halt keine hundert prozentigen Deutschen« sagte Diana abends beim Zähneputzen. »Aber wir sind auch keine Ghanaer. Wir sind irgendwas dazwischen«

Esther begibt sich aus der vorherrschenden Rolle des Opfers mit Identitätskrise hinaus und kommt zu dem Schluss: nicht die Hülle ist von Bedeutung, sondern das, was in ihr steckt.

 

Bei „Wurzelbehandlung“ handelt es sich um einen autobiografischen Reisebericht der Autorin Esther Donkor. Der Text ist erzählend im Reportage-Stil verfasst. Kurze Prosakapitel sind immer wieder durch fragmentarische Erinnerungen, Tagebucheinträge und poetische Gedankengänge gespickt. Die Sprache weist einen trockenen Humor auf, schlägt aber auch nachdenkliche und ideologiekritische Töne an.

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Lesungen und Termine mit Esther Donkor

Montag, 19. September 2016, Lesung „Wurzelbehandlung – Deutschland, Ghana und ich“ im Rahmen der Veranstaltung AFRIKA 2016: COOL, VISIONÄR & KREATIV, Zentralbibliothek Köln (ab 19 Uhr)

Freitag, 20. Mai 2016, Lesung „Wurzelbehandlung – Deutschland, Ghana und ich“ E.O.T.O Berlin (ab 19 Uhr Uhr)

 

PRESSE

Esther bei NRW.TV: http://nrw.tv/nrw-live-vom-02-12-2015/

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Esther mit „Wurzelbehandlung“ bei Funkhaus Europa

 

 

Esther mit „Wurzelbehandlung“ bei DRadio Wissen: http://dradiowissen.de/beitrag/familie-ghanaische-wurzeln-esther-donkors

Dradio Wissen Esther Donkor

Rezension in der Kölnischen Rundschau

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