Das Thema Migration ist aus deutschen Medien und Politik aktuell nicht wegzudenken. Die Schicksale und Realitäten hinter dem Schlagwort sind eher weniger bekannt. Die 16. Ausgabe des Kölner Afrika Film Festivals macht die Betroffenen, die Orte und Effekte innerafrikanischer Migration sichtbar: riesige Camps, strapaziöse Fluchtwege, Spannungen zwischen Nachbarstaaten, aber auch Widerstand gegen die politischen Ursachen von Flucht.

Mehr Geflüchtete in Afrika als in Europa

Nach Angaben des UNHCR waren 2017 täglich 28.300 Menschen durch Krieg und Verfolgung zur Flucht aus ihren Heimatländern gezwungen. Anders als in den hierzulande geführten Debatten, gelangen allerdings nur 17 Prozent der globalen Geflüchteten in das vergleichsweise reiche Europa. Die meisten Geflüchteten (30 Prozent) leben innerhalb Afrikas südlich der Sahara. Tatsächlich fliehen die meisten Menschen in Afrika also in ihre jeweiligen Nachbarländer. Deshalb  leben in den ärmsten Staaten der Welt weitaus mehr Geflüchtete als in den reichen Industrienationen. In Äthiopien z. B. waren es im Jahr 2017 rund 800.000, in Uganda sogar fast eine Million. Viele afrikanische Staaten stehen dadurch vor erheblichen ökonomischen, politischen und sozialen Problemen. Als Folge der massenhaften Fluchtbewegungen nehmen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit auch in afrikanischen Ländern zu, die bis zum Eindringen der ehemaligen Kolonialmächte keinerlei Grenzen kannten.

 

REVENIR – Geflüchteter erlebt gefährliche Flucht ein zweites Mal

Das Schwerpunktthema „Migration innerhalb Afrikas“ wird während des Festivals durch diverse Kurz- Spiel- und Dokumentarfilme veranschaulicht und auf bundesweiten Veranstaltungen nachgespielt. In der Filmauswahl befindet sich zum Beispiel der Film REVENIR, eine Koproduktion des australischen Filmemachers David Fedele und des Geflüchteten Kumut Imesh. 2004 musste Kumut Imesh aus seinem Heimatland Elfenbeinküste fliehen. Auf der Suche nach einem sicheren Ort begann er die lange Reise über den afrikanischen Kontinent, bevor er schließlich in Marokko ankam, wo er sieben Jahre verbrachte. Während seiner Zeit in Marokko arbeitete er eng mit Nichtregierungsorganisationen und Verbänden zusammen. 2013 traf er dort den Filmregisseur David Fedele. Gemeinsam realisierten sie daraufhin mit REVENIR eine waghalsige Dokumentation, in der Kumut seine gefährliche Flucht quer durch Afrika alleine mit seiner Kamera nachstellt. Dabei war es den beiden Filmemachern besonders wichtig, die Geschichte aus einer afrikanischen Perspektive zu erzählen, welches auch ein Hauptanliegen des Afrika Film Festivals Köln ist. REVENIR eröffnet in Anwesenheit der beiden Regisseure das 16. Afrika Film Festival am 13. September 2018 ab 18:30 Uhr im Filmforum Museum Ludwig Köln.

 

Von Afrofuturismus bis Neo-Western aus Afrika ist alles dabei

Auch dieses Jahr gibt das 16. Afrika Film Festival eine Vielzahl von Perspektiven: neue Arthausfilme bekannter arabischer Regisseure (VOLUBILIS, RAZZIA), Spielfilmdebüts wie die Jugenddramen MAKI‘LA aus dem Kongo und DJON ÁFRICA von den Kapverden, aber auch den spektakulären Film FIVE FINGERS FOR MARSEILLES, der Themen der Post-Apartheid in einer popkulturellen Sprache im Western-Stil erzählt.

 

Auch die Kurzfilm-Programme des Festivals sind so vielfältig wie ihre Ursprungsländer: African Shorts unternimmt eine Reise durch den Kontinent, weitere Programme widmen sich der afrikanischen Diaspora, künstlerisch-experimentellen Ansätzen und dem „Afrofuturismus“. Die Science-Fiction-Elemente dieses Genres aber auch das Virtual-Reality-Programm in der Kölner Zentralbibliothek verabschieden einen als rückständig verstandenen Afrika-Begriff.

Mehr Infos zum 16. Afrika Film Festival Köln gibt es auf afrikafilmfestivalkoeln.de . Dort erscheint auch das komplette Festivalprogramm in Kürze.

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