Zugegeben – auch wenn viele Krauselocken auf Leinsamengel schwören, habe ich als Spät-Zünderin ziemlich lange gebraucht, es selber herzustellen. Da ist ja oft diese innere Schweinehündin in uns, die sich gegen neue, gesündere Dinge sträubt und schreit: „Das dauert doch bestimmt voll lange und ist viel zu kompliziert“ und: „Die ganzen Zutaten besorgen?! Nee, echt jetzt kein Bock!“.
Dabei benötigt man für selbstgemachtes Leinsamengel eigentlich nur zwei Zutaten: Leinsamen und (destilliertes Wasser).

Du kannst natürlich auch zusätzliche, pflegende Zutaten hinzufügen, dazu komme ich gleich. Die Herstellung des Leinsamengels dauert aber nicht mal 10 Minuten. Die Schweinehündin sollte da echt mal die Klappe halten.

 

ZUTATEN FÜR SELBSTGEMACHTES LEINSAMENGEL

Die Grundzutaten für selbstgemachtes Leinsamengel sind easy. Bei der Zusammenstellung habe ich etwas herumexperimentiert und kam auf Folgendes Mischverhältnis für meine 3c/4a-Krauselocken:

3-5 EL Leinsamen
600 ml (destilliertes) Wasser
Außerdem brauchst du einen Topf, eine Schüssel und ein feines Sieb.

Leinsamen kannst du fast in jedem Super- oder Drogeriemarkt kaufen oder online bestellen. Ganz wichtig ist, dass du für dein Leinsamengel ganze Leinsamenkerne und keine geschroteten Leinsamen verwendest. Außerdem kannst du auch stinknormales Wasser für dein Leinsamengel verwenden. Destilliertes Wasser verlängert jedoch die Haltbarkeit deines Leinsamengels, da es entmineralisiert ist. Ich wohne in Köln und hier ist echt eine Menge Kalk im Leitungswasser. Das wirkt sich nicht immer gut auf die Haare aus. Destilliertes Wasser gibt’s zum Beispiel im Kaufland und wenn du es schaffst dir das zu besorgen, dann ist bestimmt auch noch Zeit, um optional folgende pflegende Zutaten für dein Leinsamengel klarzumachen:

Ätherische Öle (Teebaumöl, Lavendelöl) für die Pflege der Kopfhaut und für einen angenehmen Duft des Öls.  Olivenöl (oder ein anderes, pflegendes Öl deiner Wahl), für Extra-Haarpflege, genauso wie Sheabutter und, und, und. Die Möglichkeiten sind hier grenzenlos. Du kannst deinem Leinsamengel das hinzufügen, was deinen Haaren guttut.

 

DIY: LEINSAMENGEL SELBER MACHEN

Gib das Wasser mit circa 3 Esslöffeln Leinsamen in einen Topf. Je mehr Leinsamen du ins Wasser gibst, desto „schleimiger“ wird dein Leinsamengel. Aber Achtung: Je fester der Schleim, desto schwieriger lässt er sich später von den Leinsamen trennen.

Bringe das Wasser mit den Leinsamen zum Köcheln. Wenn das Wasser kocht, stelle den Topf kurz von der Herdplatte und drehe die Herdplatte auf kleine Flamme. Dann stelle den Topf wieder auf die Platte und rühre etwas darin. Du siehst jetzt deutlich, wie der Schleim aus den Leinsamen entsteht und du kannst solange warten bis das Gel die für dich richtige Konsistenz hat. Diese sollte, wie gesagt, nicht zu fest sein. Das Gel ist fertig, wenn die Konsistenz nicht zu fest aber auch nicht zu wässrig ist.

Stelle dann den Topf von der Herdplatte und schnapp dir eine Schüssel und dein feines Sieb. Das Sieb kommt oben auf die Schüssel. Gib dann die aufgequollenen Leinsamen nach und nach in dein Sieb und schöpfe den Schleim ab. Wenn das überhaupt nicht funktioniert, ist dein Gel zu fest. Du kannst jetzt etwas mehr Wasser hinzugeben und nochmal rühren. Auf jeden Fall brauchst du hier ein bisschen Geduld. Beim ersten Mal hat es bei mir auch nicht so gut geklappt, aber Übung macht die Meisterin!

Wenn du dein Gel abgeschöpft hast, ist es im Grunde fertig! Voila! Jetzt kannst du optional ein paar wenige Tropfen von deinen ätherischen Ölen und etwas von den anderen Zutaten deiner Wahl hinzufügen. Im Netz gibt es viele tolle Rezepte dafür.

 

ANWENDUNG VON SELBSTGEMACHTEM LEINSAMENGEL

Juhu, es hat geklappt! Um die bestmögliche Wirkung deines Leinsamengels zu erhalten, solltest du dir zunächst die Haare gründlich mit einem guten Shampoo waschen, um es von alten Produktrückständen und Schmutz zu befreien. Viele Krauselocken schwören ja auf das Co-Washing. Allerdings musste ich persönlich feststellen, dass das der Sprungkraft meiner Krauselocken auf Dauer echt nicht guttut, da das Waschen mit einfachem Conditioner meine Haare einfach nicht komplett vom „Build-Up“ befreit. Also bin ich wieder auf Shampoo und Cleanser umgestiegen. Nach dem Waschen pflege ich meine Haare im Moment meistens mit einer einfachen Kur aus Olivenöl und Honig, die ich eine halbe Stunde einwirken lasse. Du kannst natürlich jede Kur deiner Wahl anwenden. Nach dem Haarewaschen benötigen die Haare allerdings eine schöne Feuchtigkeitspflege und können diese im sauberen Zustand auch sehr gut aufnehmen. Wenn du deine Kur ausgespült hast, dann ist es Zeit fürs Leinsamengel. Ich trage das Gel in meine noch nassen Haare auf und massiere es, Strähne für Strähne in meine Locken ein. Dann lasse ich mein Haar an der Luft trocknen.

Das Leinsamengel hält im Kühlschrank ungefähr 3 – 4 Tage. Wenn du es dir einfrierst, hält es deutlich länger und so mache ich es auch. Ich friere mir das Gel in kleine Döschen ein und taue die dann immer auf, bevor ich es verwenden möchte. Zum Beispiel am Vorabend vom „Washday“.

Ich kann dir nur empfehlen, das Leinsamengel mal auszuprobieren. Es pflegt deine Haare natürlich schön mit Vitaminen und Mineralstoffen und wirkt antibakteriell, durch die in den Leinsamen enthaltenen Saponine.

Viel Spaß beim Ausprobieren und keep it kraus!

Esther