Meine Großeltern legten mir mal eine doppelte Staatsbürgerschaft ans Herz. Man wisse nie, was passiert und sie hätten schließlich schon einiges mitgemacht. „So ein Quatsch, Opa!“, war meine Antwort. Wir sitzen hier schließlich im gemachten Nest.

Freitag der 13. November 2015. Ich besuchte meine Oma. Alles schön heimelig und familiär. Es gab Kartoffelauflauf und vorweihnachtliches Spritzgebäck. Der Kamin knisterte und Oma bat mich ein paar Keksdosen aus dem Schlafzimmer zu holen, die standen direkt neben Opas Bettseite. Und aus irgendeinem Grund musste ich an seine Worte denken…

Abends kehrte dann der Terror nach Paris zurück.

Und Trance.

Und Panik.

Und dann kam die Wut.

Obwohl das nicht mein Ding ist, ließ auch ich mich zu zickigen Facebook-Kommentaren hinreißen. Ich regte mich auf über Leute, Freunde, die auf einmal eine Frankreich-Fahne über ihr Profilbild legten, dabei gab es Tage zuvor erst Terror in Beirut, Nigeria, Kenia… wo waren sie da, die libanesischen Flaggen oder die nigerianischen? Terror jeden Tag, aber Frankreich hat es plötzlich verdient, dass wir Flagge zeigen? Das ist doch ungerecht!

Ja, das war die Wut. Blinde Ohnmacht, überspielte Scheissangst.

Völlig fehl am Platz! Gerade in Zeiten wie diesen. Und ich tappte voll in die Falle…

Wut und Ärger, Misstrauen und Verurteilungen führen uns nur tiefer in den Abgrund. Menschlichkeit ist das, was allerspätestens jetzt mehr zählt, denn je. Freundlichkeit, Empathie, Akzeptanz und Toleranz und vor allem: Liebe. Das gilt nicht nur für deinen Nächsten, sondern auch für dich selbst. Wenn du willst, dass die Welt besser wird, musst du bei dir anfangen. Das hat Michael Jackson schon gesagt in einer Zeit, wo die Charts noch nicht so übertrieben verdorben waren.

I’m starting with the Man In The Mirror. I’m asking him to change his ways. And no message could have been any clearer: If you wanna make the world a better place take a look at yourself, and
then make a change

In unserer KrauseLocke-Facebook-Gruppe lese ich immer wieder, dass Krauselocken sich nicht mehr richtig wohl fühlen in ihren eigenen Heimatstädten. Sie fürchten Pegida-Anhänger und rechtsgesinnte Menschen, laufen mit negativen Gefühlen und Gedanken durch die Straßen und stoßen bisweilen auch auf Rassismus. Andere  schimpfen auf die „Flüchtlinge“, heimatvertriebene Menschen, die in Europa Zuflucht suchen. Es ist von „tickenden Zeitbomben“ die Rede und davon, die Grenzen dicht zu machen.

Das macht micht wahnsinnig traurig. Wahnsinnig wütend und all diese Wut entlud ich gegen meine eigenen Freunde, weil sie sich Frankreichflaggen als Profilbilder machten. Wie erbärmlich!

Es ist an der Zeit für mehr Hilfsbereitschaft, für mehr Frieden. ich möchte nicht mehr mit negativen Gedanken durch die Straßen laufen – den Schlechtes zieht Schlechtes an. Ein physikalisches Gesetz.

Ich möchte nicht mehr gegen etwas auf die Straße gehen, voller Groll, Zorn und negativen Glaubenssätzen. Nicht gegen Hass, Terror und Nazis. Lieber setze ich mich für etwas ein: für die Liebe und den Frieden.

Das ist echt schwierig. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir es nur so schaffen können, diese Welt zu retten. Lasst uns nicht mehr aufeinander losgehen, bei kleinen Meinungsverschiedenheiten. Lasst uns nicht mehr so radikal sein, sondern kompromissbereit. Lasst uns das schätzen, was wir haben und wen wir haben und lasst uns nie wieder im Streit auseinander gehen. Und lasst uns das Beste aus uns herausholen, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

In diesem Sinne: Herzlich Willkommen auf KrauseLocke 2.0! Fühl dich wohl und keep it kraus!

Esther

www.esthersiesta.com