Sie ist die Mutter von 4,7 Kindern.

Sie versorgt den Haushalt gemeinsam mit ihren Töchtern.
Sie verfügt über eine geringe Bildung und hat früh geheiratet.
Sie hat kaum Rechte; ihr Mann ist ihr Vormund, die Sonne, um die sich ihr kleiner Planet dreht.
Sie ist Afrikanerin.
Das sind die typischen Klischees und Rollenverteilungen, wie sie wahrscheinlich jede/r von uns schon 100-mal aufschnappen musste.
Ja, unsere Gesellschaft weiß alles über sie, die afrikanische Frau.
Wirklich?
Was wissen wir beispielsweise über ihre Geschichte?
Werfen wir gemeinsam einen Blick in das große Buch der Mythen, dann werden wir schnell herausfinden, welche traditionelle Stellung die Frau in der afrikanischen Gesellschaft inne hat.
Die Akpossos aus Togo berichten so zum Beispiel, dass Uwolowu (der Gott) zuerst die Frau erschaffen hat und durch sie dann andere Lebewesen auf die Welt kommen konnten.
Die Frau wird also dafür verehrt, Leben erschaffen zu können.
Sie teilt diese einzigartige Rezeptur mit dem Obersten überhaupt – nämlich Gott.
Manche Mythen Afrikas kennen sogar nur noch den Namen der ersten Frau (und nicht auch den Namen des ersten Mannes), was ihre Wichtigkeit unterstreicht.
Wichtig, das waren auch Frauen wie Abla Pokou, die die Baule nach mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen in die Elfenbeinküste führte oder die unerschrockene Königin Anna Nzinga.
Ja, Frauen hatten hohe Ämter inne, waren zum Teil Königinnen.
Und eine ethnische Gruppe wurde sogar ihr zu Ehren benannt: die Ashanti, was übersetzt nichts anderes heißt als „Starke Frau.“*
 
Und dann?
Und dann kam der weiße Mann.
Im Zuge der Kolonialisierung wurden gesellschaftliche Strukturen (un)willentlich verändert und so auch die Stellung der Frau.
So wollten europäische Missionare nicht nur Werte wie Gehorsam, Pünktlichkeit und Fleiß vermitteln, nein, sie brachten den Afrikanern auch noch das höchste Gut bei: geschlechtliche Arbeitsteilung.
„Kochen, Kinder, Kirche“ – die 3 Ks der Frau. Vor der Kolonialisierung war es durchaus üblich gewesen, dass Mann und Frau sich die häuslichen Pflichten teilten. (Und die Europäer fanden die Afrikaner damals unterentwickelt und rückschrittlich. Ironie, oder?)
Der Mann jedenfalls durfte oder musste auf Grund seiner Kraft der Lohnarbeit nachgehen, um den Lebensunterhalt und zum Beispiel auch die Kopf- oder Hüttensteuer bezahlen zu können.
Die neuen Lebensumstände machten die Afrikaner abhängig vom Geld und die Frauen, da sie selten selbst arbeiten gehen konnten, abhängig vom Mann.
Ganz wie ihr europäisches Pendant eben.
Heute sehen wir sie im Alltag noch oft: auf Plakaten, im Fernsehen oder auf Bildern (die man manchmal wirklich gerade rücken muss.)
Krug auf dem Kopf und Kind auf dem Rücken.
Jede Einzelne von ihnen eine wirkliche Ashanti.
*Zumindest bedeutet der Name „Ashanti“ das, wie man im Internet lesen kann.
QUELLEN:
1)      Buch: „Farbe bekennen, Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ von Katharina Oguntoye, May Ayim und Dagmar Schultz
2)      Buch: „Königinnen Afrikas“ von Sylvia Serbin
3)      http://www.afrikaworld.net/afrel/atr-women.htm, „the role of women in african traditional religion“ von John Mbiti
4)       http://www.zeitgeschichte-online.de/thema/das-erbe-des-kolonialismus-oder-warum-es-afrika-keine-nationen-gibt, „Das Erbe des Kolonialismus oder warum es in Afrika keine Nationen gibt“

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